Gleich vorweg möchte ich festhalten, dass dieser Artikel keine Demonstration gegen die  tollen vorhandenen Filtersysteme ist, die es am Markt gibt, denn Filter haben absolut ihren guten Sinn und Zweck, sondern diese  Zeilen sind meine in 10 Punkte gegliederte Antwort auf die mir gegenüber immer und immer wieder gestellte Frage:
„Welche Filter verwendest du?“

Und ich antworte darauf immer mit derselben Frage: „Wieso Filter?“.

Ich verwende keine Filter und gebe dir mit den nachfolgenden Zeilen gerne mein persönliches Warum und warum es sich meiner Ansicht nach nicht um einen untrennbar verbundenen Doppelpack „Landschaftsfotografie mit Filter“ handelt, auch wenn es so den Anschein haben mag.

Finde selbst heraus, ob du für deine Arbeiten Filter möchtest bzw. benötigst und lass mich am Ende wissen, zu welchem Schluss du kommst.

Es gibt unzählige Filter, angefangen vom Polarisationsfilter, Skylightfilter, ND Graufilter, Verlaufsfilter bis zu Astrofiltern und viele mehr. Alle diese Filter haben ihren Zweck in den verschiedensten Lichtsituationen. Ich verstehe, dass viele Leute vor allem in der Landschaftsfotografie gerne diverse Filter einsetzen.

1. Das Objektivglas
Einer der Hauptfaktoren für eine gute Bildqualität ist die Linse. Das Innenleben des Objektivs, also die sich darin befindlichen Linsengruppen beeinflussen Licht, Farbtöne, chromatische Aberrationen, Verzeichnungen, Blendenflecke und vor allem die Schärfe. Je hochwertiger die einzelnen Linsen sind, desto besser die Bildqualität. Ist es nicht Ziel eines jeden Fotografen, so viel Bildformation zu sammeln wie nur möglich? Also brauchen wir dafür am besten eine gute Kamera mit einem noch besseren Objektiv darauf. Es gibt viele gute Objektive, aber von welcher Qualität das Glas im Objektiv ist, zeigt sich am Preis. Für eine Profilinse heißt es daher weit tiefer in die Tasche greifen zu müssen als für andere Objektivklassen. Mit günstigeren Objektiven lassen sich auch tolle Fotos machen, gar keine Frage, aber mit einer Profilinse sind mit Abstand die besten Resultate zu erzielen. Also wenn schon viele tausend Euro für klare und knackscharfe Bilder in ein Profi-Objektiv rollen, warum dann zusätzlich noch einen Filter vor die Linse schieben und freiwillig durch eine Glasscheibe fotografieren und so die Bildqualität von Aufnahmen mindern??  

2. Zeit
Mein Hauptgrund ohne Filter zu arbeiten ist die fehlende Zeit. Gerade die außergewöhnlichen Lichtsituationen halten oft nur für Sekunden an. Viele meiner besten Bilder entstanden unter enormem Zeitdruck ohne Stativ, freihand und vollkommen unerwartet, obwohl meine Touren und die Routen bisher stets bis ins letzte Detail geplant und der Lichteinfall berechnet wurden. Ereignisse wie zum Beispiel, die 3 Sonnen am Himmel, vorbeilaufende Tiere, Blitze, das Aufleuchten des letzten Abendenrots, besondere Reflexionen, um nur einige solcher unberechenbarer Momente zu nennen, sind kurzlebig und zugleich die besten Motive bzw. das beste Licht.

In solchen Momenten reicht oft nicht einmal die Zeit aus, das Stativ aufzustellen oder gar die Kamera aus dem Rucksack zu holen. Aber sind es nicht genau diese Momente, die das Fotografieren so spannend machen? Ist in solchen Momenten nicht augenblicklich zu begreifen, dass weniger und einfaches Equipment viel sinnvoller ist?

3. Timing & Techniken
Ein sehr begehrter Filter ist vor allem der Verlaufsfilter. Mit ihm kann man bei leichten Überbelichtungen des Himmels aufgrund von starken Lichtunterschieden (z.B. dunkle Schatten im Vordergrund, Sonnenschein am Himmel) abdunkeln. Damit ist die Möglichkeit gegeben, mit einer einzigen Belichtung ein brauchbares Bild ohne über- oder unterbelichtete Bildstellen zu bekommen. Das Problem dabei ist allerdings, dass nicht nur der Himmel dabei abgedunkelt wird, sondern auch die Motive nahe dem Himmel, die dadurch dann sehr unnatürlich wirken. Wenn es allerdings durch mehr Erfahrung und wachsende Kontrolle gelingt mehrere Belichtungen zu kombinieren, ist es möglich, sämtliche Szenen gleichmäßig zu belichten und die Glanzlichter und Schattendetails zu schützen.

Blendings (mehrere Belichtungen zu einem Foto zusammengefügt) sind die einzige technische Möglichkeit, das Bild natürlich wirken zu lassen und ich frage mich schon, warum es im Zeitalter der digitalen Fotografie noch immer Leute gibt, die diese Technik ablehnen.

Wenn ich die ISO-Lichtempfindlichkeit auf einem Wert zwischen 50-100 einstelle und die Blende klein z.B. f22 halte, kann ich in den meisten Situationen auch bei Tageslicht oder sogar direkt gegen die Sonne schöne Langzeitbelichtungen mit einer Verschlusszeit zwischen 1/10 Sekunde bis 1 Sekunde erreichen. Es gibt keinen Grund Angst davor zu haben, die Blende sogar noch weiter als f22 zu schließen. Zwar ist mit f22 aufgrund der Beugung das Foto dann nicht so scharf wie zum Beispiel auf Blende f8 aber sicherlich noch immer schärfer als durch einen Filter fotografiert zu haben. Beispielbilder sind hier vor allem Wasserfälle, denn sie befinden sind häufig im Schatten und erlauben auch ohne ND Filter längere Belichtungszeiten ohne, dass das Wasser überbelichtet wird. Eine zu lange Belichtung von fließenden Gewässern ist nicht empfehlenswert, da die schöne Textur der Wasseroberfläche verloren geht und ein weißer Fleck entsteht. Filter eignen sich daher eher für Langzeitbelichtung wenn das Licht ohnehin schlecht ist wie z.B. mittags, wo das Licht ja grell ist und harte Schatten wirft. Da lohnt es sich doch auf das weichere Licht zu warten, wo die Farbtöne und Details besser zur Geltung kommen, wo dann gar keine Filter mehr notwendig sind.  

4. Extrembedingungen
Vor allem in Höhen von 3000-4000 Metern kann es auch schon mal im Sommer richtig kalt und windig werden. Wie froh man dann sein kann, wenn es dann für unbewegliche und schmerzende Finger weniger zu tun gibt. Einige Objektive haben eine fixe Sonnenblende, was das direkte Aufschrauben von Filtern auf die Linse unmöglich macht. Es wäre daher ein Filtersystem notwendig, welches vor der Sonnenblende angebracht werden kann. Das bedeutet, dass bei extremer Kälte nicht nur das vorderste Objektivglas einfrieren würde sondern auch das Filterglas. Gleich 2 Gläser zu enteisen, um weiterfotografieren zu können, ist umständlich kostet wertvolle Zeit und ist bei unangenehmer Kälte wenig empfehlenswert. Auch in warmen Gebieten, wo hohe Luftfeuchtigkeit herrscht oder wo Wassertropfen mit im Spiel sind, ist es schon unangenehm genug nur die Kamera reinigen zu müssen, da wäre ein Filtersystem zusätzlich hinderlich.

5. Bearbeitungsprogramme
Ein großer Vorteil ist, dass nahezu jedes Ergebnis, das mit Filtern zu erzielen ist, auch in der Nachbearbeitung erzielt werden kann mit dem zusätzlichen Vorteil, dass Bearbeitungsschritte vor und zurück gegangen werden können. Dabei besteht die Möglichkeit im Gegensatz zur Aufnahme mit dem Filter, den Filtereffekt so anzupassen, wie es am besten gefällt.

6. Kompositionen
Nicht alle Kompositionen erlauben die Montage eines Filtersystems. Ein Beispiel: Bei Aufnahmen, wo Kamera und Linse direkt den Boden berühren, ist zu wenig Abstand bzw. kein Platz für ein Filtersystem.

7. Platz & Gewicht
Auch wenn das Gewicht eines Filters im Verhältnis zum Objektiv ziemlich gering ist, so schwer kann ein Filter werden, wenn 20kg Gepäck am Rücken einen Berg hoch und wieder hinunter getragen werden muss. Spätestens dann, wenn man beginnt Bananen und Gurken aus dem Rucksack aufzuessen, nur um etwas Gewicht am Rücken los zu werden, kann man ermessen wie schwer ein Gramm im Grunde ist und wie froh man dann über jedes unten im Auto zurückgebliebene Gewichtlein sein kann.

8. Geld
Es gibt unzählige Filter für die verschiedensten Anwendungsgebiete und für jede Lichtsituation gibt es ein eigenes Stück. Und jedes hat auch seinen Preis. Für wen sich der Geldaufwand lohnt kann jede/r nur für sich selbst entscheiden. Aber gerade für jene Fotografen, die weniger Perfektion wünschen und sich gerne das extrem zeitaufwändige Nachbearbeiten der Bilder ersparen möchte und auch allgemein keinen allzu großen Anspruch an das fertige Bild stellt, weil eben andere Gründe als reine Perfektion Priorität haben, lohnt sich wohl die Investition. Freunde einer Filtersammlung werden dies sicher bestätigen können und auch die Tatsache, dass dieses Hobby auch ganz schön ins Geld geht.   

9. Astrophotographie
Seit geraumer Zeit gibt es auch schon Astro-Filter am Markt, die gegen die Lichtverschmutzung am Nachthimmel wirken. So gut diese Filter auch ihre Arbeit tun beim Herausfiltern der Orange- und Gelbtöne am Horizont, so gut nehmen sie auch das Licht vor allem in den Tiefen, wodurch wichtige Bilddetails verlorengehen.

Die Töne welche der Filter herausfiltert, kann ich mit ein paar einfachen Klicks anschließend in Camera-RAW, Lightroom oder Photoshop herausnehmen ohne einen Verlust anderer Bilddetails. Du versuchst als Astro-Fotograf so viel Licht wie nur möglich mit deiner max. geöffneten Blende zu sammeln, warum dann mit einem Filter dagegen arbeiten und wertvolles Licht und die damit verbundenen Details herschenken?

10. Voneinander lernen
Schreib mir deine Meinung und auch darüber, ob du andere Erfahrungen gemacht hast oder auch, ob Fragen bei dir aufgetaucht sind.

Oder hast du grundsätzlich Fragen zum Equipment? Darüber gibt es den nächsten Blog mit dem Thema „Welches Equipment brauche ich, um gute Fotos machen zu können?“

Oder möchtest du wissen, wie ich meine Touren plane oder „in field“ fotografiere?

Oder wünschst du dir vielleicht einmal einen Fotokurs oder möchtest einen verschenken?

Kontaktiere mich einfach, ich freue mich auf Dich!

One Comment

  1. Sehr interessant und informativ. Selbst als absoluter Laie macht es Spaß, über die Hintergründe und auch Techniken zu erfahren! Danke für diesen tollen Post! Freue mich auf mehr!

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